AUSSTELLUNGEN

Ein Pool von Ausstellungen mit pädagogischem Unterrichtsmaterialund ggf. begleitender Aktivität oder Animation stehen den Schulen zur Verfügung.

Ausstellungen von GrenzGeschichteDG, Dr. Herbert RulandStreit um‘ s Galmei – 200 Jahre Neutral-Moresnet


1816 – genau vor 200 Jahren – entstand rund um das Zentrum der heutigen belgischen Gemeinde Kelmis-La Calamine, an der Grenze zu Deutschland und den Niederlanden, das vielleicht skurrilste politische Gebilde, das die Weltgeschichte jemals gesehen hat: das „vergessene Land“ Neutral-Moresnet! Diesem Thema widmet sich die Ausstellung, deren thematische Schwerpunkte hier kurz beschrieben werden.

Der Gemeindename Kelmis leitet sich ab von „Keleme“ einem plattdeutschen Ausdruck für Galmei, einer Erzmischung aus Zinkkarbonat und Zinksilikat. Wohl seit der Römerzeit wurde hier dieses äußerst begehrte Erz abgebaut. Zink war und ist unerlässlich für die Messingherstellung und wird ab dem späten 18. Jahrhundert auch als eigener Werkstoff, z.B. bei der Dacheindeckung, zum Wetterschutz, für Regenrohre, aber auch für Haushaltsgegenstände usw. verwendet. Die hiesigen Vorkommen galten, bis weit in das 19. Jahrhundert hinein, als die bedeutendsten auf dem europäischen Kontinent.

So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass es unter den Grenznachbarn im Verlauf der Jahrhunderte immer wieder zu Streitereien darüber kam, wer den Altenberg („Vieille Montagne“) nun eigentlich ausbeuten durfte.
Die Ausstellung auf 25 großformatigen Tafeln zeigt die Geschichte von Neutral-Moresnet, diesem in der Weltgeschichte einzigartig dastehenden Gebilde.

Un Bonjour de Köpfchen


Die Bewohner von Grenzregionen können fast immer von leidvollen Erfahrungen berichten. Im Fall von Kriegsereignissen zwischen Nachbarn sind sie die Ersten die hiervon betroffen sind: durchziehende Truppen, Verwüstungen, Einquartierungen, Ablieferung von Lebensmitteln etc. waren und sind an vielen Enden der Welt noch heute an der Tagesordnung.

Auch an der Schnittstelle Köpfchen und in der Umgebung der ehemaligen Freien Reichsstadt Aachen ging es im Lauf der Geschichte ‚drunter und drüber’. Hier ‚empfahlen’ sich u.a. Limburger, Brabanter und Burgunder, Habsburger der spanischen und der österreichischen Linie, niederländische Generalstaatler, republikanische und kaiserliche Franzosen, Preußen und ‚Groß-Deutsche, US-Amerikaner, die von den Einen als Befreier von vielen der Anderen zumindest zunächst als Besatzer empfunden wurden.

Auf 8 kleinformatigen Tafeln wird die jahrhunderte alte, wechselvolle Geschichte des ehemaligen Grenzübergangs dargestellt.

Die Menschen im Vierländerland und der Große Krieg. Leben und Leiden der Grenzbevölkerung


Die Ausstellung beschäftigt sich, oft auch biographisch, mit Menschen, die vor und während des „Großen Krieges“ rund um das Vierländereck lebten. Es geht also um Neutrale aus Moresnet, 1830/31 bei den Niederlanden verbliebene Südlimburger, Aachener und Eupener , die man 1815 ungefragt zu Preußen gemacht hatte und die plattdeutsch und französischsprachige belgische Grenzbevölkerung.

Vor 1914 spielte die Grenze in den Köpfen dieser Menschen so gut wie keine Rolle. Arbeit wurde dort gesucht, wo es was zu arbeiten gab. Oft gingen die Menschen täglich, teilweise auch über die Woche oder die Saison zum Arbeiten ins Nachbarland. Auch zum Feiern, Wallfahrten, Heiraten, Wohnen, Kaufen und nicht zuletzt zum ertragreichen Schmuggeln wurde gerne die Grenze überschritten. Und oft benutzte man auch auf allen Seiten der Grenze die gleiche Sprache: das Grenzlandplatt. Unsere Gegend war sozusagen Miniglobalisiert.

Der Erste Weltkrieg stellte die einschneidende Zäsur im deutsch-belgischen und gerade auch im Verhältnis der betroffenen Grenzbevölkerung dar. Am Morgen des 4. August 1914 fielen 6 deutsche Brigaden, aus Aachen und der Umgebung von Eupen und Malmedy kommend, völkerrechtswidrig in das Nachbarland ein. Schon in der ersten Kriegswoche wurden zwischen Aachen und Lüttich ungefähr 950 Zivilisten vorsätzlich ermordet und 1300 Häuser abgebrannt. Auch die belgische Grenzbevölkerung kam unter Sonderrecht, wurde gegängelt und ausgeplündert, hunderttausende von Menschen flohen in die Niederlande, wurden dort interniert oder versuchten die Front in Flandern zu erreichen. Um diesem Treiben Einhalt zu gebieten, bauten die deutschen Besatzer 1915 einen Elektrozaun an der belgisch-niederländischen Grenze, der von Vaalserquartier bei Aachen bis nach Sluis an der flandrischen Küste ging. Hier fanden tausende Menschen den Tot, u. a. auch Russen, die beim Bau des Eisenbahnviadukts in Moresnet eingesetzt wurden. Und ebenfalls im Ersten Weltkrieg wurden belgische Grenzbewohner, z.B. Welkenraedter Eisenbahnarbeiter, zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Um die Lage der notleidenden Bevölkerung in Belgien zu verbessern, bildeten sich insbesondere in den USA, Spanien und den Niederlanden Hilfskomitees, die Lebensmittel nach Belgien einbrachten. Überall und auch in den belgischen Grenzdörfern und auch in Neutral-Moresnet, mit mehrheitlich deutscher Bevölkerung, entstanden lokale Organisationen, die z.B. Brot und Suppe an die Bevölkerung verteilten. Von diesen Gütern hätte auch die deutsche Bevölkerung gerne etwas abbekommen, denn hier herrschte Hunger und Mangel an allem. Südlimburg bleibt derweil eine „neutrale Enklave im Kriegsgebiet“, wo es sich noch relativ gut leben ließ. Auch im Großen Krieg arbeiteten Niederländer in Deutschland und in Belgien. Trotz strenger Verbote, Elektrozaun und Schusswaffengebrauch oft mit Todesfolge funktionierte weiterhin der Schmuggel.

Im November 1918, nach dem waffenstillstand, zogen die deutschen Soldaten, oft verbrannte Erde hinterlassend und teilweise mit allen was nicht niet- und nagelfest ist, nach Deutschland ab.

Jetzt kam die Stunde der Sieger und Besatzer, so wurden z.B. die Kreise Eupen und Malmedy 1920 definitiv belgisch. In Belgien selbst entwickelte sich mit Rückblick auf den Weltkrieg gerade bei Jugendlichen ein Patriotismus, wie er bis dahin in diesem Land unbekannt war. Und viele dieser Menschen fanden sich dann 1940, nach der zweiten deutschen Invasion im Widerstand , wieder.

All diesen Themen und noch vielem Mehr geht die Ausstellung mit zeitgenössischen Fotographien und anderem Originalmaterial nach. Schlachten an fremden Fronten kommen hier höchstens am Rande vor. Es geht um die Menschen vor Ort und insbesondere ihr Versuch in schwieriger Zeit zu überleben.